Michael Lissek (http://www.michaellissek.com) hat 2008 einen Radiobeitrag über Pflege gestaltet, der vor einigen Wochen auf Ö 1 wiederholt wurde. Diese Sendung hat mich berührt und der Produzent dieses Radio-Features freut sich, liebe LeserInnen meines Blogs, dass sie nun auch auf Querarbeit seine Sendung nachhören können. Etwas Geduld für das Downloaden wird notwendig sein – es lohnt sich.
http://michaellissek.com/sounds/pflege.mp3
Dieses Feature lässt Arbeitsmigrantinnen zu Wort kommen, die alte Menschen in Österreich pflegen und Hilfsbedürftige, die Pflege in Anspruch nehmen. Sowohl die alten Menschen als auch die Pflegerinnen fühlen sich oftmals vom sozialen Leben ausgeschlossen (“Kein Leben – weder hier noch dort”). Die erzählten Arbeitsbedingungen sind wenig erfreulich – von “Knochenjob” ist ebenso die Rede wie von “Gefängnis”. Michael Lissek weist in seinem Feature aber auch auf die politische Dimension der Pflegesitutation in Österreich hin:
“osteuropäische menschen sind günstig. für rund 1400 € im monat sorgt die slowakin, die tschechin, die polin rund um die uhr, von mitternacht bis mitternacht für vater, mutter, partner, für den schwager. sie kocht, putzt, wischt staub und hintern, nebenher versorgt sie eitrige dekubituswunden. auch für das seelische wohl ist sie zuständig: sie gibt küsse auf die stirn von papa, spendet den angehörigen trost, ist als gesprächspartnerin beliebt. das kostet 1400 € monatlich.
dieses geld erspart uns den gedanken daran, daß ein pflege-system, das auch ein denksystem ist und das die alten aus dem bedarf – also: zum abfall wirft; daß ein system, das seinen nicht mehr produktiven teil nicht ohne die hilfe illegaler und darum billiger arbeitskräfte zu versorgen weiß: daß mit einem solchen system etwas nicht stimmen kann.
1400 € monatlich aus der privatschatulle sorgen für ruhe. und alle profitieren davon: die geldgierigen vermittlungsagenturen, die angehörigen, ein wenig auch die pflegerinnen – vor allem aber das marode pflege-system.”

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