Wir hatten einen Termin vereinbart. Irgendwann kamen wir auch auf Berufliches zu sprechen. Er erwarte sich, im Frühjahr nächsten Jahres die Nachfolge seines Kollegen anzutreten, der in Pension geschickt werde. Es gehe nicht ums Geld (€ 300 plus), sondern um die Anerkennung, die damit verbunden sei. Er wäre schon sauer, wenn er den Karrieresprung nicht machen würde. Die Arbeit würde sich nicht ändern, aber er hätte ein Problem, würde er die Anerkennung nicht kriegen.
Dann erzählte er von einem ganz anderen Problem. Eines, das mich betrifft. Er hätte nämlich ein schlechtes Gewissen. Weil seine Probleme verglichen mit meinen als prekär Beschäftigte harmlos wären.
Meine Vermutung: das schlechte Gewissen wird dafür sorgen, dass wir uns lange nicht sehen werden.
Die gesellschaftliche Schere geht nicht nur immer weiter auseinander, sondern kann auch Freundschaftsbande zerschneiden.
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